SportSAX-Special

"Wenn du in Weißwasser jemanden suchst, wirst du garantiert in der Eishalle fündig!" Die Geschichte um und die drei Wünsche der 16-jährigen Torfrau Ivonne Schröder, die ...

(Fotos Nobert Lückerath)

"Wenn du in Weißwasser jemanden suchst, wirst du garantiert in der Eishalle fündig!" Die Geschichte um und die drei Wünsche der 16-jährigen Ivonne Schröder, die erstmalig im A-Nationalteam der Eishockey-Damen zwischen den Pfosten stand; einem Eishockey- freund, der die e-Mail vom SportSAX übergab und überhaupt von einer ganz verrückten Stadt namens Weißwasser.
(SpS) Weißwasser/Dresden 24. Januar 2004 - Hier nun die Geschichte um und das SportSAX-Interview mit Eishockeysternchen Ivonne Schröder.

DER SPORTSAX-BRIEF:

Norbert betritt die Eishalle. Wie immer herrscht Hochbetrieb. In allen Ecken der Halle und natürlich auf der Eisfläche tummeln sich die Leute, lachen, schwatzen oder fachsimpeln - beobachten die umher- fliegenden Pucks oder machen selbst einen Schlagschuss. Klar, dass Norbert hier jeden kennt. Doch heute hat er keine Zeit für längere Begrüßungs- worte. Sagt nur "Hallo" oder "Bis später!". Immer wieder blickt er sich suchend um.

"Ivonne! I-I-I-I-I-I-vonne" ruft er und winkt mit einem Stück Papier in der Hand. Doch vergebens. In der Halle ist es zu laut und das Mädchen, umringt von einigen großen Eishockey- spielern in voller Montur, hat ohnehin keine Chance, Blicke über die breiten Schultern der Boys schweifen zu lassen. So schlängelt sich Norbert durch die Massen, bis er endlich vor ihr steht. Mit dem Zeigefinger tippt er auf den Zettel und sagt: "Ivonne, hast du ´ne Sekunde Zeit? Der SportSAX hat dir geschrieben."

DIE VORGESCHICHTE:

Es war wieder wie jeden Tag. Das Internetmännchen SportSAX tourt im World-Wide-Web auf der Suche nach interessanten Sportereignissen oder netten Episoden am Rande der kleinen und großen Sportstätten in Sachsen. Neulich fand er einen Gästebucheintrag - irgendwo auf einer Webseite. Dort sucht eine Frau Z. eine Frau D., um auch ihr die Einladung zum nächsten Klassentreffen zu schicken. "D. müsste noch in Weißwasser wohnen". Der Kommentar darauf war echt witzig: "Wenn du in Weißwasser jemanden suchst, wirst du garantiert in der Eishalle fündig!"

"Weißwasser (!)? Auf der Website der Lausitzer Füchse war ich doch einige Tage schon nicht mehr", erschrickt der SportSAX. Im Nordosten - am äußersten Rand von Sachsen - liegt das "Städtchen, wo Kleinstkinder vor ihren ersten Schritten an Land erst einmal das Schlittschuhlaufen erlernen. Alle sind dort verrückt auf Eishockey. Weißwasser, das ist eine Eishalle mit Wohnhäusern drumherum", scherzt der SportSAX.
www.eissport-weisswasser.de - Klick!

Dem SportSAX fällt sofort eine Mitteilung auf - geschrieben am 9. Januar 2005: "Die erst 16jährige Torfrau Ivonne Schröder des DNL-Teams des Eissport Weißwasser hatte am Sonnabend in Crimmitschau beim Länderspiel Deutschland-Tschechien ihren ersten Einsatz in der A-Nationalmannschaft. Beim 3:2-Sieg Deutschlands zeigte sie eine sehr gute Leistung und bekam vom Auswahltrainer Peter Kathan ein Extralob."

"Na, wenn das keine Nachricht ist?" Der SportSAX freut sich, dass die vielen Helfer beim Eissportverein Weißwasser nicht nur an ihre Pucks, sondern auch an ihre Internetseite denken. Einer von ihnen ist Norbert Lückerath, der in seiner Freizeit mit viel Engagement und natürlich Liebe zum Eissport zum Gelingen des Internetauftrittes beiträgt. Dem Webteam dort sei gedankt: "Ivonne Schröder! Da mache ich doch glatt ein Interview. Das ist eine Nachricht für Sachsen!" Schnell hat der SportSAX eine e-Mail mit einigen Fragen geschrieben: "Norbert kriegt das bestimmt hin." - klick und weg ist die Post.

DAS INTERVIEW:

SportSAX: Ivonne, erst einmal Glückwunsch zu deinem gelungenen ersten A-Nationalmannschaftsauftritt. Doch wie kommt man als Mädchen überhaupt zum Eishockey - eine Sportart, die doch soooo männlich ist?

Ivonne: Mich hat dieser Sport von Anfang an fasziniert - schon beim Zuschauen, in der Zeit, als ich noch beim Jazzdance war. Ja und dann waren da meine ersten Trainingsstunden hier in der Halle. Als kleines Mädchen ist es dir egal, ob da mehr Jungs in der Laufgruppe sind. Und jetzt hat man mich akzeptiert und erkennt meine Leistung auch in der DNL an, das macht mich stolz.
(Anmerkung Norbert: "Sehr bald war Ivonne in der reinen Mädchengruppe absolut unterfordert und wurde in die Jungs-Truppe gesteckt!")

Wann und wie hat bei dir nun alles begonnen?

Ivonne: Mein Onkel hat mich mit zum Eishockey genommen und in der Laufgruppe des Eissport Weißwasser angemeldet. Da war ich so um die fünf Jahre alt. Hier in Weißwasser als Eishockeyhochburg ist das so ziemlich normal.

Wer sollte besser geeignet sein, um eine Werbebotschaft an die sächsischen Mädchen zu richten. Wie würdest du für den Eishockeysport werben?

Ivonne: Traut euch, Spaß zu haben!

Bei deiner enormen Leistungskurve nach oben interessiert mich natürlich dein Training. Wie oft trainierst du in der Woche und wie sieht dein Training aus?

Ivonne: Ich trainiere täglich von Montag bis Freitag mindestens eine Stunde auf dem Eis und dazu noch Landtraining. Am Montag ist Torwarttraining und am
Wochenende sind fast immer zwei Spiele in der DNL.
(Anmerkung Norbert: "Sie hat Eishockey im Blut - auch beim Training ist sie immer voll dabei. Selbst im Kraftraum will sie mit den Jungs mithalten.")

Als Torfrau pfeifen einem ständig die Hartgummischeiben um die Ohren. Warum hast du dich zwischen die Pfosten gestellt und was zeichnet dich deiner Meinung nach aus?

Ivonne: Angefangen habe ich als aktive Spielerin, doch das Tor fand ich schon immer viel interessanter. Und nachdem ich es öfters mal als Torfrau probiert hatte, stand für mich fest: ´Halten macht einfach mehr Spaß!´. Über meine Stärken kann ich nicht viel sagen? Mein Trainer, Herr Mann, weiß bestimmt mehr zu berichten.
(Anmerkung Norbert: "Ivonnes Stärke ist die enorme Reaktionsschnelligkeit, die sie sicher den meisten Männern voraus hat. Nachteilig für sie als Mädchen natürlich die geringere Kraft, wenn sie die vielen Kilos ihrer Ausrüstung bewegen muss.)

Eishockey ist bei den Männern im Spitzenbereich Profisport. Wie sieht
das bei den Frauen aus?


Ivonne: Die Damenliga ist keine Profiliga, da muss das Geld nebenbei verdient
werden. Es gibt aber auch die Möglichkeit, bei entsprechender Leistung über Sponsoren mehr Zeit für das Training zu haben. Nur wenige Frauen haben es in den Profiligen der Männer auch zu ein wenig Reichtum gebracht. Das waren alles Torfrauen, aber deshalb stehe ich nicht zwischen den Pfosten.
(Anmerkung SportSAX: "Warum so bescheiden?")

Was machst du sonst noch?

Ivonne: Viel Zeit bleibt mir nicht. Ich bin in der 10. Klasse des Landau Gymnasiums in Weißwasser, muss also viel lernen. Ich höre gern Musik. In den Sommermonaten ist auch Zeit für einen Diskobesuch. Mit meinen Freunden bin ich sehr gern zusammen.
(Anmerkung Norbert: "Wie ich weiß, will Ivonne Sportwissenschaften studieren. Doch das kann sich bei ihr jederzeit ändern. Für ihre Eishockey-Zukunft hat sie ihre Ziele allerdings ganz klar formuliert.")

Wem möchtest du besonders danken?

Ivonne:
An aller erster Stelle meinen Eltern, die in Sachen Zeit und Finanzen für meinen Sport viel investieren. Dann natürlich allen, die mich im Verein unterstützen, besonders Herrn Hanke (Anm.: Koordinator Nachwuchs), der die Auswahleinsätze für mich organisiert. Den Sponsoren, die die Fahrten bezahlen und den Eishockeysport in Weißwasser überhaupt erst ermöglichen. Und natürlich Herr Bresack, der mein Talent frühzeitig förderte und mich in die Kleinschülergruppe übernahm und dort ins Tor stellte. Mit diesem Jahrgang bin ich als einziges Mädchen in der DNL unterwegs.

Wenn du drei Wünsche frei hättest, die prompt in Erfüllung gehen, welche würdest du nennen?

Ivonne: Stamm-Nationaltorfrau zu sein, Arbeit für meine Mutter und nicht zuletzt Gesundheit und eine glückliche Zukunft haben.
(Anmerkung SportSAX: "Waren das nicht vier Wünsche? Egal, sollen sie alle in Erfüllung gehen, Ivonne!")

DIE NACHLESE:

Um Wunsch eins macht sich SportSAX kaum Gedanken, denn schon im Jahre 2003 zählte Ivonne zum B-Kader der Nationalmannschaft - war bei Turnieren in Holland und Frankreich dabei. "Das schafft sie doch lässig", ist der SportSAX überzeugt. Doch Ivonne lenkt ein: "Die zwei Gegentore, die ich im Spiel gegen Tschechien kassierte, waren haltbar!"

SportSAX grüßt alle Eishockey-Freunde in Weißwasser und sagt: "Danke Ivonne und Norbert!"

www.eissport-weisswasser.de